My Time at Sandrock – Test / Review –

    My Time at Sandrock

    Es gibt doch nichts Schöneres, als nach einem langen Arbeitstag nach Hause zu kommen um dann in einem Spiel weiter zu ackern. Öh…. Ja. Egal. Jedenfalls erfreuen sich Lebens- und Farming-Simulationen, oder wie vorliegend Adventure-RPGs mit Farming-Elementen, großer Beliebtheit. Kein Wunder also, dass My Time at Portia aufgrund des Erfolges nunmehr eine Fortsetzung findet. Allerdings schickt Euch die Fortsetzung des Farm-Rollenspiels in My Time at Sandrock regelrecht in die Wüste. Wir haben uns auf das Abenteuer eingelassen und dürfen Euch nun einen kleinen Einblick gewähren.

    My Time at Sandrock

    Das idyllische Städtchen Sandrock trägt seinen Namen nicht von ungefähr, denn es liegt mitten in der Eufala-Wüste. Die große Apokalypse ist bereits 300 Jahre her und die Menschheit wurstelt fröhlich weiter. Regelrecht auf den Trümmern der vergangenen Gesellschaft wachsen kleine Städte, die sich nur durch die Fähigkeiten ihrer Bewohner entwickeln können.

    Und genau hier kommt Ihr ins Spiel. Als Handwerker habt Ihr das Angebot von Sandrock angenommen. Der bisherige Handwerker geht in den Ruhestand und Ihr übernehmt seine Werkstatt und damit auch alle seine Aufgaben. Hilfe oder auch Konkurrenz gibt es durch unsere Handwerkerkollegin Mi-an. Gemeinsam müsst Ihr Sandrock vor dem Zerfall bewahren und Euch ein eigenes Leben aufbauen.

    Viel zu tun

    Ach was…. es gibt unheimlich viel zu tun. Eure neue Werkstatt ist lediglich rudimentär ausgestattet und das zugehörige Wohnhaus enthält nur ein Bett. Also, Ärmel hochgekrempelt und schon kann es losgehen. Materialien sammeln, Werkzeuge und Maschinen bauen, Materialien verwerten, Aufträge annehmen und natürlich auch noch Beziehungen zu den Bewohnern aufbauen. Dabei müsst Ihr natürlich immer die Zeit und auch die eigene Körperkraft und Ausdauer im Blick behalten.

    Hier haut das Spiel prinzipiell in die gleiche Kerbe, wie bereits so viele andere Farm- und Lebenssimulationen. Die meisten Gameplay-Mechaniken kennt Ihr aus dem Vorgänger. Die Geschichte der Stadt sowie ihrer Bewohner gibt es über Dialoge und Cutscenes. Beinahe willkürlich erscheinen die Stellen, welche das Fortschreiten der Hauptstory auslösen. So erfahrt Ihr z. B. beim Erkunden der Umgebung von der Banditenbande, die die Gegend unsicher macht.

    Allerdings verbringt Ihr die erste Zeit hauptsächlich damit, Euch mit Materialien, Maschinen, Stauraum und noch vielem mehr einzurichten. Dabei müsst Ihr immer Eure wichtigste Ressource im Auge behalten: Waser. Das ist in der Wüste natürlich Mangelware und dementsprechend teuer oder mühsam zum selbst sammeln.

    Zu viel zu tun?

    Vergleicht man My Time at Sandrock mit Portia, dann merkt man schnell, dass wirklich viel mehr auf der To-do-Liste steht. Die Quest-Anzahl hat sich locker verdreifacht, es gibt mehr Orte zum Erkunden und natürlich auch mehr NPCs mit denen Ihr interagieren könnt. Ach ja, und es gibt viel mehr Items. Das Inventar ist eigentlich immer ständig voll und die Lagerkisten stapeln sich. Gerade in der Anfangszeit fehlen viele Materialien, die wir erst mühsam selbst herstellen müssen, ohne jedoch zu wissen, wo es das Grundmaterial zu finden gibt.

    Gut hingegen ist es, dass es beim Bauen keinen Unterschied macht, ob Ihr das Material in Euren Taschen mit Euch herumtragt, oder ob es in einer Lagekiste untergebracht ist.

    Insgesamt halst man sich mit Sandrock mindestens 70 Arbeits- … äh … Spielstunden laut Machern auf. Geschätzt könnt Ihr das locker verdoppeln, wenn Ihr Euch so viel Zeit nehmen wollt und wirklich alles bis zum Anschlag erkunden möchtet.

    Konsolenspieler müssen sich bis zum Erscheinen des Mehrspielermodus leider noch gedulden. Dieser sollte dann im Sommer 2024 erscheinen. PC-Spieler können sich im Online-Multiplayer mit bis zu drei Freunden gemeinsam in der kleinen Wüstenstadt austoben. Ob mit Erscheinen des Multiplayers für Konsolen dann auch Crossplay möglich macht, bleibt noch abzuwarten. Wünschenswert wäre es jedenfalls.

    Fortschritt

    Nach und nach wächst die kleine Werkstatt zu einer ordentlichen Produktionsstätte. Maschinen erleichtern die Arbeit und Ihr habt wieder etwas mehr Freizeit. Wer in seiner Freizeit mehr, als Sandfischen machen möchte, darf dann gerne seine Zeit in Ackerbau und Viehzucht investieren.

    Das Bestellen der Felder geht dank des Pflanz-Kits recht einfach. Dafür erfordert die Haltung von Hasen, Hühnern und Yakmels zumindest anfangs relativ viel Zeit. Füttern, ausmisten und natürlich die Tiere streicheln gehört fortan ebenfalls zum Tagesablauf. Die Belohnung für die harte Arbeit erfolgt in Eiern und Milch, die Ihr verkaufen oder an Eurer Kochstation weiterverarbeiten könnt.

    Später könnt Ihr durch die Verbesserung Eurer Werkzeuge sowie durch den Einsatz von mehr Ressourcen und Geld und den guten Beziehungen zu den NPCs die Hofarbeit erleichtern. Stellt ganz einfach Helfer ein, die für Euch Arbeiten erledigen.

    Vergesst bei all der Arbeit aber nicht, Euren Skilltree im Auge zu behalten. Hier könnt Ihr kontinuierlich Eure Fähigkeiten verbessern, was ebenfalls wieder zur Arbeitserleichterung beiträgt.

    Wachstum

    Nachdem nun also die Werkstatt und auch der Hof ganz gut laufen, bleibt wieder Zeit für Muße. Warum dann nicht aus dem Haus ein Heim machen und mit Möbeln und Deko verschönern. Ebenfalls könnt Ihr natürlich auch Euch selbst aufhübschen und neue Outfits ausprobieren.

    Langsam können wir aber auch die Umgebung etwas weiter erkunden. Schnappt Euch ein Reittier, egal ob Pferd, Yakmel oder Ziege, und erforscht die Prärie. In zahlreichen Höhlen und Minen könnt Ihr auf Schätze und Relikte, die Ihr im örtlichen Museum ausstellen könnt, sowie auf Überreste der alten Zivilisation stoßen. Allerdings auch auf allerlei Gegner.

    Kämpfen

    Zwar sind uns auch schon in der näheren Umgebung der Stadt einige Gegner oder zumindest schlecht gelaunte Viecher begegnet, in den Minen tummeln sich dann durchaus bösere Feinde. Allerdings sind wir ja im „wilden Westen“ und daher kommen nach den anfänglichen einfachen Hieb- und Stichwaffen, schließlich auch Schusswaffen ins Repertoire. Hier könnt Ihr natürlich mehr Schaden anrichten und tiefer in die unerforschten Gegenden vordringen, ohne selbst enormen Schaden zu erleiden.
    Das Echtzeit-Kampfsystem ist keine allzu große Herausforderung. Eigentlich müsst Ihr beim Gegner nur den Schwachpunkt erkennen und angreifen. Dabei gilt natürlich auch, dass Ihr den Gegenschlägen ausweicht und möglichst wenig Schaden erleidet. Als Belohnung winken eben verborgene Schätze und vielleicht auch Daten-Discs. Mit diesen könnt Ihr im Forschungszentrum neue Blaupausen erstellen und damit erneut den Fortschritt von Sandrock ankurbeln.

    Love is in the Air

    Irgendwie dürft Ihr bei all der Arbeit Euer Privatleben nicht aus den Augen verlieren. Freundschaften schließen mag in Sandrock ja recht einfach sein, jedoch müsst Ihr auch etwas für den Erhalt der Beziehung tun. Neben anfänglichen Gesprächen und einem passenden Geschenk zur rechten Zeit, könnt Ihr auch gemeinsame Mini-Games spielen.  Die NPCs bedanken sich durch Gegengeschenke und nette Briefe. Verabredet Euch und erobert so die Herzen der Bewohner. Vielleicht ist ja auch jemand dabei, der einem Zusammenleben mit Euch nicht abgeneigt ist oder gar einer Heirat zustimmt. Immerhin könnt Ihr so auch für Nachwuchs sorgen.

    Bild und Ton

    Dem direkten Vergleich zum Vorgängerspiel hält My Time at Sandrock Stand. Insgesamt wirkt alles belebter und detailverliebter. Ganz frei von fliegenden Strukturen zeigt sich Sandrock allerdings nicht. Auf der Switch gab es keine Bildruckler, dafür stellenweise etwas schwammige Strukturen. Oft bauten sich näher kommende Landschaften erst recht spät auf und manche NPCs gehen glatt durch die Wänden. Die Ladezeiten sind auf Dauer nervig. Allerdings wollen die Macher die derzeitigen Performance-Probleme noch nachbessern.  Bis dahin müsst Ihr Euch mit diesen Schwächen abfinden.

    Die Macher haben versucht einen ansprechenden und gleichzeitig kindgerechten Stil umzusetzen. Der dabei entstandene Cartoon-Stil des Spiels ist sicherlich nicht Jedermanns Geschmack. Die Figuren sind zunächst einmal durchaus gewöhnungsbedürftig. Auch der Charakterdesigner zu Beginn bietet nur beschränkte Möglichkeiten der individuellen Anpassung.

    Die Vertonung liegt leider nur auf englisch vor. Dafür stehen deutschen Spielern ganz ordentliche Untertitel mit relativ wenigen Übersetzungsfehlern zur Verfügung.

    Fazit

    Irgendwie habe ich, nach vielen Stunden Spielzeit, immer noch das Gefühl, nur an der Oberfläche gekratzt zu haben. My Time at Sandrock kommt für mich gerade rechtzeitig zum verregneten Herbstwetter und langen Spieleabende. Zwar muss ich, als Konsolero, noch auf den Mehrspielermodus warten, jedoch macht mir das kleine Abenteuer in der Wüste auch alleine viel Spaß. Die liebevolle Gestaltung, die durchdachte Hauptstory, die vielen verschiedenen Charaktere, sogar eine kleine Anspielung an das Vorgängerspiel in Form eines Grußbotschaft aus Portia, es gibt ja so viel zu entdecken. Wer sich in Portia wohlfühlte, dürfte in Sandrock eine neue Heimat finden.

    My Time at Sandrock ist seit dem 2. November 2023 für PC, Nintendo Switch, Xbox Series X/S, Xbox One und PlayStation 5 erhältlich.

    Wir bedanken uns beim Publisher für die kostenlose Bereitstellung eines Keys für die Nintendo Switch.

    Bildquelle: Focus Entertainment

    Ich bin Nintendo-Fan der ersten Stunde und darf mich hier bei den Spieletests und in der News-Sektion austoben. Ich spiele mich gerne durch meine Retrogames-Sammlung, erfreue mich aber auch an den neuesten Spielen für meine Nintendo Switch.