Just Die Already – Test

    Seit Jahren erobern teils irrwitzige Simulationen die Herzen der Spieler:innen und sorgen für frischen Wind abseits der gängigen Spielmechanismen. In Just Die Already spielen wir betagte Senioren und tun nur eins: Sterben.

     

    Raus aus dem Seniorenheim

    Einst waren Simulatorenspiele reine Nischenprodukte, mittlerweile sind sie locker in der Breite angekommen. Neben seriösen Simulationen wie etwa den Landwirtschaftssimulator, tummeln sich aber auch immer mehr sonderbare Abkömmlinge in den virtuellen Spielbibliotheken. Und das teilweise sogar mit großem Erfolg, wie z.B. der mittlerweile schon legendäre Goat Simulator. Wobei… genau genommen ist sogar der noch einigermaßen normal, wenn es zwschenzeitlich sogar Stuhl-Simulatoren in die Steam-Charts schaffen. Ja, richtig gelesen, ein Spiel, in dem es darum geht, zu sitzen. Klingt verrückt, ist aber so → Chair Simulator

    Just Die Already geht in die Richtung Senioren-Simulator. Primär geht es dabei aber nicht um den Alltag betagter Menschen, sondern ausschließlich um deren letztes Handeln. Der Name ist hier faktisch Programm, ein Spiel also um das Sterben.

    Ein paar Sätze zur Story des Spiels, die keinen wirklichen Anteil am Spiel benötigt, sondern nur Mittel zum Zweck ist. Wahlweise als Oma oder als Opa befinden wir uns mitten in einem tristen Seniorenheim und fristen unser Dasein. Als ein Mitbewohner Geburtstag feiert und wir die Party crashen, setzt man uns kurzerhand auf die Straße. Tja, und nun? Hilfe bietet uns ein heimischer Bewohner an, der uns mit skurrilen Aufträgen lockt, bei deren Erfüllung uns ein Deluxe-Pflegebett im topmodernen Altenheim der Stadt erwartet. Das klingt einfach zu verlockend und schon folgen wir dem Ruf des Alten.

     

    Sandkasten für Verwüstung

    Im Grunde kann man die Aufträge maximal als roten Faden bezeichnen, den euch das Spiel liefert. Im Grunde aber habt ihr volle Freiheiten darüber, was ihr tun und lassen wollt. Wie sich das eben für ein klassisches Sandbox-Abenteuer gehört und nichts anderes ist Just Die Already. Unterwegs löst man dennoch immer wieder Aufgaben, teilweise sogar ungewollt oder ohne sie großartig zu beachten. Hierbei geht es durchaus vielfältig zu: Vom Verlieren bestimmter Gliedmaßes über das Erklimmen von besonderen Gebäuden ist viel Abwechslung geboten. Außerdem sind quer über die frei zugängliche Spielfläche Türen verteilt, die ihr mit der Erfüllung von Jobs öffnen könnt. In der Summe kommt man so auf rund 30 Spielstunden, bis man das tatsächliche Ende erreicht hat und seine letzten Tage im Deluxeheim verbringen darf.

    Ihr entscheidet also selbst, ob oder wie stark euch das Spiel an die Hand nimmt. Den größten Spaß werdet ihr haben, wenn ihr einfach sinnfrei drauf los spielt. Etliche Gegenstände lassen sich zu Waffen oder Geschossen umfunktionieren, also warum nicht einfach mal mit Mülleimern um sich werfen? Oder mit einem Baseballschläger ein paar Kids endlich mal eins über die Rübe ziehen? Dumm nur, wenn die Plagen sich dann plötzlich wehren und euch vor das nächste Auto schubsen. Apropos Autos: Passt bloß auf, wenn ihr eine vielbefahrene Schnellstraße überquert, sonst seit ihr ganz schnell um ein Bein ärmer – mindestens.

    Sterben ist also der große Rahmen des Spiels und in Just Die Already könnt ihr das auf zig verschiedene Arten mit den aberwitzigsten Gegenständen erreichen. Meist verliert man zunächst ein Körperteil, wodurch man dann zwar eingeschränkter agiert, aber nicht gleich ins virtuelle Gras beißt. Blutfontänen spritzen über den Bildschirm und färben alles rot. An solchen Stellen kann man selbst entscheiden, ob man weiterspielt oder lieber gleich neu spawnt. Ein Tastendruck genügt und ihr werdet im nächsten Müllcontainer (sic!) zu neuem Leben erwachen.

     

    Crossplay erhöht den Spaß

    Während das Treiben im Alleingang schon recht unterhaltsam ist, öffnen sich neue Spielelemente im Multiplayer. Leider gibt es keinerlei Quests für den Mehrspieler-Modus, so dass sich dieser auf ein reines Seniorengemetzel herunterbricht. Das ist schade, denn gerade im Koop hätte es sehr viel für sich gehabt, mit vereinten Kräften die Stadt unsicher machen zu können. So beschränkt es sich darauf, dass jeder für sich alleine kämpft und es einem Deathmatch gleicht. Immerhin wird volles Crossplay unterstützt und so mangelt es nie an Mitspieler:innen, die auf Beef aus sind.

    Damit Just Die Already auch auf der Switch flüssig läuft, wurde die Auflösung entsprechend heruntergerechnet. Somit sieht zwar alles etwas unschärfer aus als auf PC oder den anderen Konsolen, aber es läuft eben zu 100% flüssig. Im Dock-Modus sieht das Spiel etwas besser aus als im Handheld-Modus, aber bei der Comic-Grafik ist das ohnehin ziemlich gut verkraftbar. Die Steuerung funktioniert jederzeit zuverlässig, außer beim Steuern von Fahrzeugen, hier wird es extrem schwammig. Gelegentlich gab es Aussetzer bei der Spielphysik, aber bei einem so chaotischen Spiel wie diesem fällt das spielerisch nicht ins Gewicht. Minuspunkte gibt es für die Soundkulisse, die sich leider schon sehr früh anfängt, zu wiederholen.

    Fazit

    Am besten stellt ihr von Anfang an gar keine Anforderung an das Spiel, dann könnt ihr eine Menge Spaß haben. Jedenfalls für eine Weile von einigen Stunden, denn es kommt der Punkt, an dem Just Die Already sehr repetitiv wird. Für langanhaltenden Spaß bietet es inhaltlich einfach zu wenig, auch im Multiplayer. Fans solcher wirren Simulationen kommen voll auf ihre Kosten und freuen sich am Experimentieren in dieser quietschbunten Welt voller Gefahren.

    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur