NZXT Canvas 27F – Test/Review

    Bildqualität:

    Die Bildqualität ist natürlich das wichtigste Bewertungskriterium bei einem Monitor. Allerdings spielen hier auch stark persönliche Präferenzen herein. Daher wollen wir uns die Bildqualität nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv anschauen, in dem wir den NZXT Canvas 27F mit einem Colorimeter vermessen.

    Die Helligkeit des Monitors ist mit 400 cd/m² angegeben. Passend dazu unterstützt er VESA Display HDR400. Mit einer Helligkeitseinstellung von 100 % konnten wir mit unserem Colorimeter in der Mitte eine Helligkeit von 460 cd/m² messen. Die angegebene Helligkeit wird somit vollständig erreicht. Die maximale Helligkeitsstufe wird allerdings in einem normal beleuchteten Raum eigentlich nicht benötigt und so haben wir die Helligkeit auf 320 cd/m² begrenzt.

    Darüber hinaus haben wir uns auch die Verteilung der Hintergrundbeleuchtung mittels des Colorimeters angeschaut. Hier zeigen sich Helligkeitsunterschiede über das Panel. Die höchste Helligkeit haben wir in der Mitte des Panels mit 460 cd/m² gemessen. Zu den Ecken hin fällt die Helligkeit auf etwa 420 cd/m² ab. Dieser leichte Helligkeitsunterschied fällt allerdings kaum auf, bei einer reduzierten Helligkeit nehmen die absoluten Unterschiede ab.

    Eizo-Monitortest:

    Als Erstes haben wir auf dem Monitor den Eizo-Monitortest ausgeführt. Dieser ist kostenlos auf der Webseite von Eizo verfügbar. In diesem Test erscheinen verschiedene Kontrollbilder, mit denen man den Monitor auf Pixelfehler (schwarz, weiß, rot, grün, blau) oder auch eine uneinheitliche Beleuchtung hin untersuchen kann. Auch Abbildungsfehler wie Verzerrungen oder verwaschene Darstellungen lassen sich so erkennen.

    Pixelfehler waren in diesem Test keine zu erkennen und auch die Bilddarstellung zeigte sich sehr homogen. Texte werden scharf und ohne Schatten dargestellt und auch bei der Wiedergabe verschiedenen Grauabstufungen ließen sich keine Helligkeitssprünge erkennen. Trotz der Full-HD-Auflösung bei einer Diagonale von 27″ zeigt sich das Bild angenehm scharf und einzelne Pixel sind erst bei sehr geringem Abstand zu erkennen.

    Hinweis: Die nachfolgenden Bilder dienen zur Veranschaulichung des Tests. Bedingt durch das gekrümmte Display und den Lichteinfall erscheint hier die Monitordarstellung teilweise etwas abweichend zur Realität. So wirken besonders die grauen Bilder etwas inhomogen, was aber nicht der Wirklichkeit entspricht. Aufgenommen wurden die Bilder mit einer Canon EOS RP (Vollformat-DSLM) mit dem Objektiv Canon RF 50 mm 1:1,8 STM. Blende, Belichtungszeit, Weißlichtabgleich und ISO-Wert waren dabei fest eingestellt.

    Farbdarstellung und Kalibrierung:

    Da die meisten Bewertungen bislang eher subjektiver Natur waren, wollen wir uns nun mithilfe einer Kalibrierungsmessung dem Thema objektiv und quantitativ nähern. Dazu haben wir das Colorimeter SpyderX von Datacolor in Verbindung mit der als Freeware erhältlichen Software DisplayCAL genutzt.

    Der erste Schritt bei einer neuen Messung besteht zunächst darin, den Weißpunkt des Monitors zu kalibrieren, die Hintergrundbeleuchtung haben wir dabei auf 320 cd/m² eingestellt. Da die Bilddarstellung eines Monitors auf der additiven Farbmischung basiert, muss hier also ggf. das Verhältnis der Primärfarben Rot, Grün und Blau etwas korrigiert werden. Zunächst haben wir im manuellen Modus alle Farben auf das Maximum eingestellt und dann die Farbe Grün leicht reduziert. So konnten wir den Weißpunkt sehr genau treffen.

    Vergleichen wir nun die Herstellerangaben mit den von uns gemessenen Werten. Hier muss man allerdings zwischen Farbraumabdeckung und Farbraumvolumen unterscheiden. Die Farbräume beschreiben den Teil der Gesamtheit aller Farben, der vom Monitor dargestellt werden kann. Das heißt, wenn ein Monitor diesen Farbraum abdeckt, kann sein Farbraum dennoch größer sein, er besitzt dann ein größeres Farbraumvolumen. Aber auch bei einer nicht vollständigen Abdeckung kann der dargestellte Farbraum voluminöser sein, denn dieser kann ja auch außerhalb der Farbraumgrenzen liegen. Beispielsweise stärker in Richtung einer Farbe verschoben, mit Schwächen im Bereich einer anderen Farbe.

    Beim sRGB-Farbraum passen Messung und Realität sehr gut zueinander, dieser wird auch quasi vollständig abgedeckt. Zu AdobeRGB sind keine Herstellerangaben verfügbar. Für DCI P3 sind diese vorhanden, hier weicht aber der gemessene Wert und die Herstellerangabe etwas voneinander ab. Der gebotene Farbraum ist für einen Gaming-Monitor jedoch vollkommen in Ordnung. Farbräume oberhalb von sRGB werden vor allem dann interessant, wenn Monitore häufig für Bild- und Videobearbeitung genutzt werden. Eine Zielgruppe, an die sich dieser Monitor primär nicht richtet.

    Herstellerangabe gemessener Farbraum gemessenes Farbraumvolumen
    sRGB 99 % 98,6 % 112,5 %
    AdobeRGB 72,6 % 77,5 %
    DCI P3 84 % 79,3 % 79,7 %

     

    HDR:

    Der Monitor unterstützt auch VESA DisplayHDR 400 und damit gewissermaßen die Einstiegsstufe in die Welt von HDR-Displays. Beim Test der Hintergrundbeleuchtung hatten wir bereits gesehen, dass der Monitor über die gesamte Fläche mit 400 cd/m² ausgeleuchtet ist. Um nun den HDR-Effekt zu testen, haben wir uns HDR-Videos herausgesucht und diese mit aktiviertem und deaktiviertem HDR betrachtet. Dabei ist direkt ersichtlich, dass bei aktiviertem HDR Farben viel kräftiger dargestellt werden, gewissermaßen sogar strahlen und auch die Hell-Dunkel-Kontraste stärker hervorgehoben werden. So kann man auch beim Gaming profitieren, allerdings muss man hier beachten, dass das Spiel natürlich einen HDR-Modus benötigt und man diesen ggf. noch separat aktivieren muss.

    Allgemeine Gaming-Features:

    Der Monitor verfügt auch über einige spezielle Gaming-Features. Er bietet eine besonders hohe Bildwiederholrate von 240 Hz und richtet sich so vor allem an Hardcore-FPS-Gamer. Dazu passend liegt die Auflösung (nur) bei Full-HD. Eine Auflösung, die im Bereich der Shooter aber durchaus üblich ist. Je nach Detaileinstellungen und verbauter GPU eine Framerate, die sicherlich nicht immer leicht zu halten sind, hier macht sich der Vorteil von Freesync Premium bemerkbar, da die Bildrate des Monitors mit den FPS der GPU synchronisiert werden. Das funktionierte in unserem Test auch mit einer RTX 3070 ohne Probleme. Dazu bietet der Monitor auch noch die Möglichkeit schwarze Bereiche aufzuhellen. Hierbei geht natürlich etwas Bildqualität verloren, jedoch kann dies besonders in dunklen Bereichen den ein oder anderen Vorteil bei Shootern bringen.

    Wie viel bringen 240 Hz?

    Monitore mit einer Bildwiederholrate von 240 Hz sprechen nicht die Allgemeinheit der Gamer oder Office-Nutzer, sondern ganz klar Fans von High-FPS-Shootern an, vor allem, wenn sie kompetitiv unterwegs sind. Um die Performance der 240 Hz im Gaming zu testen, haben wir daher mit Rainbow Six Siege einen klassischen High-FPS-Shooter herangezogen.

    Allgemein bekannt sind mittlerweile die Vorteile von Monitoren mit 144 Hz oder 165 Hz. Im Vergleich zu Modellen mit 60 Hz wird das Bild hier bedeutend flüssiger und die gesamte Darstellung wirkt realitätsnäher. Besonders in hektischen Spielsituationen kann man so besser den Überblick behalten. Da stellt sich nun die Frage, welchen Vorteil hier eine Wiederholrate von 240 Hz mit sich bringt. Technisch betrachtet bringt sie, die passende Hardware vorausgesetzt, als Vorteil mit, dass mehr Bilder pro Sekunde dargestellt werden. Dies reduziert Latenzen, da die Bilder schnell berechnet werden und so Bewegungen schneller dargestellt werden können. Auch Bildstörungen, wie Tearing oder Bewegungsunschärfe werden so minimiert. Besonders letzteres, da die Positionen der Bewegung sauberer gerendert werden können.

    Alles in allem sollten sich so besonders in Shooter, wo es bei Reaktionen und Sekundenbruchteile ankommt, wirklich Vorteile ergeben. Qualitativ ist es schwer zu belegen. Wir haben für unseren Test die Bildwiederholrate des Monitors in unterschiedlichen Stufen eingestellt und konnten dabei natürlich einen deutlichen Unterschied zwischen 60 Hz und 120 Hz erkennen. Vor allem, wenn man schnell die Kamera schwenkt. Hier ergeben sich auch direkte Vorteile im Gaming, da man durch die schnellere und sauberere Darstellung besser reagieren kann. Bei 240 Hz ist der Unterschied nicht mehr so direkt zu sehen, jedoch ergeben sich hier besonders in hektischen Situationen subjektiv gesehen Vorteile, quantitativ belegen können wir unsere Wahrnehmung jedoch  nicht.

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    Alexander Schaaf
    Seit der Jugend bin ich von PC-Hardware begeistert und habe Systeme in den verschiedensten Hardware-Generationen gebaut. Mit der Zeit kamen dann auch Videokonsolen dazu. Ich bin hier eigentlich in allen Bereich aktiv. Mit einem Schwerpunkt auf Hardware.