Juli Zeh über die Verfilmung ihres Bestsellers Spieltrieb

Juli Zehs preisgekrönter Roman „Spieltrieb“, der sich seit seinem Erscheinen über 400.000 mal verkaufte, ist ein großer Roman über die Unmoral und ihre Folgen.
Immer wieder hat sich die Autorin profiliert zu zeitpolitischen Themen geäußert – zuletzt geschehen im offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel zum NSA-Skandal, der am 26.07.2013 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung abgedruckt wurde. Bis heute haben sich auf www.change.org/nsa bereits 30.000 Menschen Juli Zehs offenem Brief angeschlossen.
Auch in ihren Romanen schafft die renommierte Schriftstellerin Welten, die auf differenzierte und provokante Weise das Lebensgefühl unserer Gesellschaft reflektieren.
Juli Zeh, für die nach eigener Aussage die Unterschiede zwischen Fiktion und Wirklichkeit marginal sind, entwarf in SPIELTRIEB eine von Pragmatismus und Nihilismus geprägte Welt, in der die sensible und hochbegabte Außenseiterin Ada sich auf eine gefährliche Dreiecksgeschichte mit ihrem Mitschüler Alev und dem Sportlehrer Smutek einlässt.

„Als ich das Buch schrieb, dachte ich eigentlich nicht, dass ich die Schüler und den Schulalltag realistisch zeichne. Für mich waren Ada und Alev eher Prototypen für den modernen Menschen an sich, nicht unbedingt für Jugendliche. Die Schule sollte eine Metapher auf unsere Gesellschaft sein.( …) Charakteristisch ist das Gefühl, nicht mehr in einer festgefahren Werteordnung zu leben. Die Welt ist durchökonomisiert, von Kapitalismus und Konsum bestimmt. Viele Schüler wirken sehr oberflächlich, denken nur an ihr Aussehen, ihre Fitness und spätere Karriere. Ein nachdenklicher Jugendlicher wird in dieser Welt schnell zum Außenseiter“, äußert sich Juli Zeh rückblickend zu ihrem Roman.
„Als ich ,Spieltrieb‘ schrieb, wussten wir noch nichts von der bevorstehenden Finanzkrise. Inzwischen reden wir von ,Zockern‘ und ,Global Playern‘ und wissen, dass der Spieltrieb in einer global vernetzten Welt ganze Volkswirtschaften in Gefahr bringen kann. Neuerdings wird halbherzig versucht, die alles beherrschende Ökonomie und innerhalb der Ökonomie vor allem die Finanzwirtschaft wieder auf ein Werte-Fundament zu stellen. Dabei wird klar, wie viel durch Deregulierung bereits kaputtgemacht wurde. Als ich an „Spieltrieb“ arbeitete, glaubte man noch, man müsse dem Spiel nur freien Lauf lassen, dann werde alles gut.“

Über die beiden Hauptdarsteller in Gregor Schnitzlers Verfilmung ihres Romans sagt Juli Zeh in ihrem Interview für das Presseheft des Kinofilms: „Ich war beeindruckt von der Arbeit der beiden Hauptdarsteller Michelle Barthel und Jannik Schümann. Sie geben den Figuren eine eigene psychologische Tiefe.“

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Quelle: PM; YouTube